Mittwoch, 15. Mai 2013

Renée Holler Schreibwerkstatt 4


Recherchen: Historische Fakten und Ideen


Recherchen, Recherchen und mehr Recherchen. Vor allem wenn ein Buch, wie der Abenteuerroman „Das Geheimnis des goldenen Salamanders“, in einer anderen Zeit spielt, will ich so viel wie möglich über die Epoche, den Alltag und die Menschen von damals herausfinden. Diese intensiven Nachforschungen bereiten mir großes Vergnügen und regen mich oft zu neuen Figuren und Themen an. Hier ein Beispiel, wie mir die Idee zu Moll und ihrer Bande kam.

Molls Bande


Jack, der Held von „Das Geheimnis des goldenen Salamanders“, wohnt zusammen mit seiner Bande in Molls Dachstube. Dort werden die Kinder von der schrulligen Frau zu Meisterdieben ausgebildet. 

Schulen für Diebe wie die von Moll waren früher in London nichts Ungewöhnliches. Taschendiebstahl war für obdachlose Waisen oft der einzige Weg zu überleben. Aber selbst das Klauen will gelernt sein und wer nicht im Gefängnis landen wollte musste erst trainieren. Erfahrene Lehrmeister fanden sich häufig unter geschäftstüchtigen Gaunern. Sie unterwiesen ihre Schüler im Diebeshandwerk um sie danach für sich selbst auf die Straße zu schicken. Als Gegenleistung für das erbeutete Diebesgut erhielten die Kinder Unterkunft und Verpflegung. 

Charles Dicken beschreibt eine Diebesschule in „Oliver Twist“, doch solche Institutionen existierten lange bevor Dickens Fagin und seine Bande erschuf. Erstmals werden sie 1585 erwähnt, als ein Mr. Wotton in den Hinterräumen einer Schenke Waisen zu Meisterdieben ausbildete. Seine künftigen Diebe benutzten eine Klingelpuppe zum Trainieren und erst wer diese lautlos bestehlen konnte, begann sein Handwerk in den Straßen der Stadt auszuüben.

Die echte Moll


Als ich dabei war, mir einen Meisterdieb für das „Das Geheimnis des goldenen Salamanders“ auszudenken, stieß ich bei meinen Recherchen auf Mary Frith. Die Kriminelle (1584–1659) war Tochter eines Schuhmachers, die später unter dem Namen Moll Cutpurse (Moll Beutelschneider) bekannt wurde. Wie Moll in meinem Abenteuerroman trug auch die echte Moll stets Männerkleidung und rauchte eine Pfeife. Neben vielen anderen Tätigkeiten war Mary Hehlerin, die Diebesgut in ihrem Pfandhaus verkaufte. Ob sie wie die Moll aus „Das Geheimnis des goldenen Salamanders“ auch junge Diebe ausbildete und ob sie ein Äffchen namens Orlando besaß ist nicht überliefert. Doch da kam meine Fantasie ins Spiel.

Hier ist eine Originalabbildung der echten Moll aus dem 17. Jahrhundert.



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